Einrichtung eines Beckens - Filter?

Bei der Einrichtung eines MW-Beckens verabschiedet man sich am besten gleich von der Vorstellung das man einen üblichen mechanische Filter benötigt.

Ganz im Gegenteil, die aus der Süsswasseraquaristik bekannten Aquarienfilter sind würden in Meerwasseraquarien eher zu Problemen führen als diese zu lösen. Sie werden nämlich über kurz oder lang zu Nitrat-Schleudern!

Gut laufende Meerwasseraquarien haben glasklares Wasser ohne mechanische Filterung. Selbst auf in Abläufen, Technikbecken o.ä versteckte oder eingebaute Filtermatten, Biobälle, Siporax oder ähnliches sollte man auf Dauer verzichten.

Wodurch aber wird dann das Wasser trotz durch Fische eingebrachte Verunreinigungen sauber gehalten?

Stickstoff-Kreislauf

In einem funktionierenden Becken/Stickstoffkreislauf spielen die Bakterien eine absolut entscheidende Rolle. Sie bestimmen und steuern den Stickstoffkreislauf der auch als Denitrifikation bezeichnet wird.

1.) Am Anfang des Kreislaufes, und an erster Stelle bezüglich Toxizität (Giftigkeit), entsteht Ammoniak/Ammonium. Es entsteht durch Umwandlungen von Ausscheidungen der Fische, sowie Fäulnissprozessen z.B. durch abgestorbene Tiere.

2.) Ammoniak wird, durch ammonifizierende Bakterien in das deutlich weniger toxische Nitrit umgewandelt. (Ammoniak-Konzentration sinkt, Nitrit-Konzentration steigt)

3.) Nitrit wird, durch nitrifizierende Bakterien in das noch weniger toxische Nitrat umgewandelt. (Nitrit-Konzentration sinkt, Nitrat-Konzentration steigt)

4.a) Nitrat kann nur in sauerstoffarmen (=anaeroben) Bereichen durch Bakterien in Stickstoff umgewandelt werden welcher dann einfach entweicht. Dies erfolgt im Bodengrund und im porösen Gestein,

4.b) Nitrat (und auch Ammoniak) wird von den Algen in Wachstum umgesetzt.

Dieser Prozess findet die ganze Zeit über statt! Er muss in neu eingerichteten Aquarien erst etabliert und stabilisiert werden. Dies geschieht in der sogenannten „Einfahrphase“ die bei jedem Meerwasseraquarium benötigt wird bevor wir es mit empfindlichen Lebewesen besetzen.

In funktionierenden, sog. gut eingelaufenen Becken ist die Menge der abgebauten Schadstoffmenge ≥ der zugeführten.

Lesen sie hierzu auch den F.A.Q. Bereich Lebende Steine !

Phosphor/Phosphat-Kreislauf

Phosphor/Phosphat wird durch Beckenbewohner, Fütterung und evtl. auch Ausgangswasser stetig ins Becken eingebracht. Es kann abgelagert bzw. besser formuliert „ausgefällt“ werden. Dies erfolgt :

  • im Bodengrund bzw. im Steinaufbau

  • im Aquariumwasser

  • In evtl. eingebrachtem Adsorbermaterial (und kann damit entfernt werden)

Phosphate werden ebenso von Algen eingebaut und können durch ernten der Algen entfernt werden.

Im Wasser gelöste Phosphate können von Algen und Korallen aufgenommen werden Ausgefällte Phosphate können von Bakterien und Algen aufgenommen werden

Abschäumer

Bei üblichen mechanischen Filtern würden Partikel/Ausscheidungen usw. über Tage/Wochen im Kreislauf nur angesammelt und erst dann aus dem Becken entfernt. Abschäumer erledigen dies im laufenden Betrieb ständig und sind u.a. deswegen ein zentrales Element fast aller Meerwasserbecken.

  • Partikel/Substanzen/Giftstoffe werden sofort aus dem Beckenkreislauf entfernt

  • Wasser wird mit Sauerstoff angereichert

  • Abschäumer reichern das Wasser außerdem ständig mit Sauerstoff an und verhindern damit selbst bei stark besetzten Becken und guter Bakterienpopulation eine eventuelle Sauerstoffarmut.

Es gibt zwar einige Becken die auch ohne Abschäumer dauerhaft gut laufen. Normalerweise ist allerdings ein qualitativ hochwertiger richtig dimensionierter Abschäumer mit entsprechender Abschäumleistung Standard in MW-Becken.

Es gibt noch diverse weitere Methoden ein MW-Aquarium erfolgreich zu betrieben (Algenfilter, Deep-sand-beds, Jaubert, ..)

oder die natürliche Filterfunktion noch unterstützende Methoden wie Zeolithfilter, Wodkamethode usw.